Vita

Seine erste Schaffensphase widmete der Künstler Giuseppe Linardi dem Hyperrealismus und Realismus. Unmittelbar nach seinem Abschluss an der Accademia di Belli Arte in Florenz experimentierte er mit Stillleben im Stile Caravaggios. Der Künstler verließ diesen Stil jedoch sehr früh um sich auf ein für ihn viel wichtigeres Thema zu konzentrieren: den menschlichen Körper. Diese künstlerische Reise hat die Technik beträchtlich verändert. Der Hyperrealismus nahm den Platz einer realistischen Malerei ein, die Werke werden sanfter, weicher, weltlicher: Die Farbtafel hat sich vollkommen geändert: von den hellen und kalten Farben der Stillleben wechselte er zu warmen Farben der Haut in zahlreichen Variationen. Die Figur bleibt prinzipielles Thema seiner Arbeit. Linardi fotografiert Modelle in außergewöhnlichen Positionen. Die Körper falten und strecken sich um danach verzerrt dargestellt werden zu können. Der Künstler sucht einen Ausweg aus dem klassischen Porträt, akademisch, um neue anatomische Perspektiven zu finden, um dem menschlichen Körper eine neue Form zu geben. Und bei dieser Suche wurde die neue Technik geboren, die er „Decodificazione“ nennt. Diese künstlerische Phase befreit Linardi von der figurativen Malerei, die Werke werden fragmentiert, zerlegt und rekonstruiert. Während seine ersten Werke die Realität so exakt wir möglich wiedergeben wollten, diese sogar greif- und fühlbar machen sollten, wird diese heute seziert, zerstückelt und reduziert an die Grenze der Figuration gebracht. Die perfektionierte Technik, beinahe manisch durchgeführt, explodiert in tausende kleinste Pinselstriche. Der Künstler bringt die Malerei in eine neue Dimension in die Schwebe zwischen Abstraktion und Figuration. Aus dieser Schizophrenie der Zeichen, welche er als „Codes“ determiniert, entwickelt sich sein weiteres künstlerisches Streben. Linardi verfolgt das Ziel ein außergewöhnliches Gleichgewicht zwischen der informellen Kunst und der Figuration herzustellen. Eine Malerei, die nach Jahren des Experimentieren geboren wurde, in der Suche nach Sujets, in der Dekonstruktion und Konstruktion von Figuren. Jedes in dieser Technik hergestellte Werk verlangt vom Betrachter die Fähigkeit grundlegender Lektüre, einen „visuellen Aufwand“, der erfüllt wird von der Entdeckung des repräsentiertem Subjekt welches, wie in einem Spiel mit chinesischen Schachteln, allmählich offenbart wird, kontinuierlich bereichert durch neue Elemente. Und so bleibt der Betrachter hypnotisiert von der Decodificazione, deren die Zeichen das Chaos vieler Aspekte unseres täglichen Lebens widerspiegelt. Linardi hat im letzten Jahr eine neue Werkserie begonnen, die sich auf die decodifizierte Malerei bezieht, ergänzt durch die Collage, welche in vielen Werken große Teile oder die gesamte Oberfläche der Leinwand bespielt: „Decodifizierte Collage“. Die weichen Formen des Kartons, auf welchen er zeichnet und anschließend zurechtschneidet, werden wie ein Puzzle endloser Konturen platziert und übereinander gelegt.Die letzten Arbeiten sind eine Widmung aber auch eine Konfrontation mit den großen Meistern der Vergangenheit welche sich aus dem scheinbaren Chaos ihrer charakteristischen und ursprünglichen Formen entwickeln.